Sonntag, 15. März 2020

Von der Atheistin zur überzeugten Katholikin

© Claudia Sperlich


Ich bin 1962 in Berlin geboren. Erzogen wurde ich in einem religionsfernen, wenn auch vom Christentum selbstverständlich geprägten Weltbild, in dem Friede und Verzeihungsbereitschaft hohe Bedeutung hatten und abendländischer Kunst und Kultur höchste Bedeutung zukam. Mein Vater lehrte mich, dass ohne Bibelkenntnis weder die deutsche Sprache mit ihren zahlreichen biblischen Wendungen und ihrer bedeutenden religiösen Dichtung noch die europäische Kultur mit unzähligen Kirchen und religiösen Bildern verständlich seien. Dabei wurde vorausgesetzt, dass Religionen ein kulturstiftendes Hilfsmittel zum Weltverständnis vor der Aufklärung sind, und dass man nun Religionen nicht mehr braucht und es ohnehin keinen Gott gibt. Jesus wurde nur als beeindruckende historische Persönlichkeit verstanden.

„Du musst die Lutherbibel lesen, das gehört zur Bildung“ - in Abwandlungen hörte ich diesen Satz oft. In einer Zeit, in der ich eine naiv romantisierende Vorstellung von Kommunismus hegte, wie in William Morris Kunde von Nirgendwo, begann ich, das Neue Testament und die Psalmen zu lesen. Ich strich in den Psalmen die Wörter frei und Freiheit an und sah die Verse mit linksintellektuellem Hochmut als Vorstufe zum freiheitlichen Denken. Im Sommer 1983 wanderte ich allein in den Schweizer Alpen. Eine Taschenausgabe des Neuen Testaments und der Psalmen trug ich bei mir. Die Evangelien las ich als eine schöne und spannende Geschichte, die Psalmen als eindrucksvolle antike Lyrik. Besonders sprach mich der 121. Psalm an, weil ich nachvollziehen konnte, dass ein Mensch beim Anblick der Berge religiöse Scheu empfindet. Ich hatte in einer Herberge übernachtet und war sehr früh aufgebrochen, stand auf einem Plateau in etwa 1800 Meter Höhe.  Es war  die Sonne aufgegangen, im Osten, wie immer, an einem besonders schönen Ort - und ich begriff schlagartig, dass die Evangelien und Psalmen die Wahrheit sagen. Für mich gab es von nun an keinen Zweifel mehr daran, dass der dreieine Gott existiert und dass der 121. Psalm wörtlich zu nehmen ist.

Gottes Existenz habe ich seither nicht einen Augenblick lang bezweifelt. In der Osternacht 1984 wurde ich getauft. Es hat seitdem Zeiten gegeben, in denen ich mit der Kirche meine Schwierigkeiten hatte, aber selbst als ich nur noch enttäuscht und zornig an sie dachte und ihr fernblieb, kam ein Austritt für mich nicht in Frage - auch wenn mir als Argument nur Joh. 6,68-69blieb: Wohin sonst? Aus der überzeugten Gottesleugnerin war eine überzeugte Katholikin geworden. Aber ich blieb ein eitler, rechthaberischer und zum Zorn geneigter Mensch. Das war mir nur halb bewusst, und ich redete mich damit heraus, dass andere nicht besser seien. Zudem hatte ich eine ständige Scheu davor, mich wirklich offen als Christin zu bekennen - denn da war immer ein unterschwelliges Gefühl der Peinlichkeit, wenn mir meine Eltern und Brüder in den Sinn kamen, alle in weltlicher Hinsicht erfolgreicher und ordentlicher als ich, und alle Atheisten. Erst nach dem Tod meiner Eltern änderte sich das; mit einer Mischung aus Erleichterung und schlechtem Gewissen stellte ich fest, dass ich mich nicht mehr schämte, über meinen Glauben zu sprechen.

Die Lehre der katholischen Kirche, das Gebet und vor allem die Eucharistie wurden mir immer wichtiger. Ich diene als Lektorin. Gelegentlich halte ich Vorträge über christliche Themen. Aber das alles änderte meine grundlegenden Fehler nicht. Am Freitag, dem 4. Oktober 2013 - dem Gedenktag des Franziskus von Assisi - stand ich betend vor dem Kreuz in meinem Wohnzimmer. Etwas fuhr durch mich wie ein ungeheurer Schreck. Ich hatte das bestimmte Gefühl, knien zu sollen. Ich kniete nieder und nahm plötzlich, in scharfer Deutlichkeit, zwei Worte in meinem Inneren wahr: Reue und Buße. Diese Worte - und keine anderen - wiederholten sich. Ich kniete weiter und berührte fast mit der Stirn den Boden. Ich fragte: „Wer bist du?“ Ich bekam keine Antwort, nur immer wieder diese Worte - Reue, Buße. „Bist du es, Jesus?“ fragte ich. Zugleich wuchs in mir das Vertrauen, dass diese Worte sinnvoll waren, dass sie nötig waren. Nach einer Weile stand ich auf, denn ich wollte ein Gespräch mit dem Pfarrer.  Ich fragte ihn: „Wenn Gott zu einem spricht - woher weiß man dann, ob es Gott ist - und kein anderer?“ Ich berichtete - und als das Wort Vertrauen fiel, sagte er: „Ich bin froh, dass Sie das gesagt haben. Der Teufel flößt niemals Vertrauen ein.“ „Und warum tut Gott das mit mir? Ich bin doch gar kein besonderer Mensch.“ „Es ist eine Gnade.“ Am folgenden Abend ging ich zur Beichte. Ich habe den Sinn des Wortes Gottesfurcht sehr klar begriffen - und dann gelernt, auf eine tiefere und reifere Art Seine Liebe und Sein Erbarmen wahrzunehmen.

Ich ging zur Messe, sooft ich konnte – nicht nur an Sonntagen, und ich gewann das stille Gebet vor dem Tabernakel immer lieber. Langsam reifte in mir ein Entschluss: Katholiken haben verschiedene Möglichkeiten, Gelübde abzulegen. Am bekanntesten sind die Ordensgelübde, die „Evangelischen Räte“ Armut, Keuschheit, Gehorsam – gewöhnlich zunächst auf die Zeit von drei Jahren abgelegt, dann auf Lebenszeit. Dabei gibt sich ein Mensch ganz in Gottes Hand, verzichtet auf Besitz, Sex, Autonomie – und erhält gerade dadurch eine nonkonformistische Freiheit, die ihresgleichen sucht. Auch Priester – nicht nur Ordenspriester – geloben etwas, nämlich Gehorsam gegenüber ihrem Bischof, Keuschheit und das treue Versehen ihrer Amtspflichten, wozu das tägliche Stundengebet gehört. Gelübde kann aber auch jeder katholische Laie leisten. Es muss nur immer eine gute, gottgefällige Sache beinhalten, dem Gläubigen möglich und erlaubt sein, wohlüberlegt und freiwillig geschehen. Hat aber jemand privat etwas gelobt und merkt, dass er es nicht halten kann, so kann ihn ein Priester in der Beichte davon lossprechen. Dann gibt es die Möglichkeit eines privaten Gelübdes, das man öffentlich (in einem Gottesdienst) und vor einem Priester leistet. Von einem solchen Gelübde kann nur der Papst entbinden. Nicht nur deshalb wird vorher sehr genau mit einem Priester darüber gesprochen, der mit dem Gläubigen gemeinsam bespricht, ob das Gelübde die Grundvoraussetzungen „gut, durchdacht, freiwillig, möglich“ überhaupt erfüllt. Genau SO verbindlich wollte ich es haben!
Am 27. November 2016 legte ich ein Gelübde auf drei Jahre ab und habe es mit wachsender Freude gelebt. Es beinhaltete die tägliche Messfeier, tägliche Anbetung, häufige Beichte und die Evangelischen Räte.

Schon Anfang 2019 war mir völlig klar: Das will ich für immer! Als Termin beschloss ich den Sonntag Gaudete – in diesem Jahr war das der 15. Dezember. In der Woche davor bereitete ich mich gründlich vor. Fünf Tage verbrachte ich in einem Kloster, nur mit Bibellesen, Schreiben, Stundengebet und Messe. Am Sonnabend vor dem großen Tag beichtete ich bei dem Priester, vor dem ich das Gelübde ablegen wollte. Zelebrant und Konzelebrant und Diakon – sie alle blieben nach der Messe zu meinem Gelübde da. Großer Bahnhof! Der Priester, der vorher Konzelebrant gewesen war, rief mich nach vorn, wir beteten das Vaterunser und das Ave. Dann fragte er, ob dies Gelübde „ein freiwilliges und überlegtes, mögliches und Gott gemachtes Versprechen sei, dessen vorsätzlicher Bruch einer sakrilegischen Sünde gleichkommt.“ Ich konnte aus vollem Herzen JA sagen.
Nun kniete ich vor dem Altar und sagte vor dem Priester und der Gemeinde: Ich gelobe, mein Leben lang keusch zu leben, dem Herrn und der Kirche gehorsam, in evangelischer Armut so besitzend, als besäße ich nichts, täglich an der Heiligen Messe teilzunehmen, täglich wenigstens eine halbe Stunde lang in Anbetung zu verharren, entweder vor dem Tabernakel oder bei der Eucharistischen Anbetung, häufig, das heißt mindestens einmal im Monat, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen. Beide Priester legten mir die Hände auf, und nun ist das Gelübde öffentlich und verbindlich.

Ewiges Gelübde
Mein Herr, Dir will ich ganz und gar gehören,
Ich will Dir dienen jeden Tag im Leben.
Was Du mir gibst, will ich Dir wiedergeben,
Und unsre Zweisamkeit soll niemand stören!
In Dir, mit Dir, zu Dir hin will ich streben,
Nie soll mich Welt und Nützlichkeit betören,
Dein Wort will ich an jedem Tage hören,
Zu Deinem Leib und Blut mein Herz erheben.
Ich will Dir gern bekennen meine Sünden,
In Armut, Keuschheit und Gehorsam bleiben,
Dein Wort und Deinen Leib mir einverleiben.
Von Deiner Liebe will ich dichtend künden
Und mit Dir teilen Deines Herzens Wunde.
So soll es bleiben bis zur letzten Stunde.




 Claudia Sperlich hat einen katholischen Blog, nämlich Katholisch? Logisch!

Freitag, 15. November 2019

Mit Leib und Seele Missionar

©Pater Sepp Wasensteiner 
und Gesellschaft vom katholischen Apostolat

Da ich Pater Sepp Wasensteiner als Kaplan in meiner Heimatgemeinde erlebt habe, weiß ich noch ein wenig aus dem, was er damals erzählte. Den Rest hat er selbst im Bericht hinzugefügt:
Am 02. Februar 1958 kam Sepp als zweites von vier Kindern zu Welt. Er hat einen älteren Bruder, eine jüngere Schwester und einen jüngeren Bruder.  Der katholische Glaube wurde in der Familie gelebt, was auch Sepp prägte. Nach dem Abitur leistete er seinen Wehrdienst. In seiner Heimatgemeinde Lenggries lernte er Pater Peter Wagner kennen, einen Pallottiner, der die Berufung zum Priester weckte. So trat Sepp – zusammen mit seinem älterem Bruder Jak  im Jahre 1978  in das Noviziat der Pallottiner ein. Das erste Jahr war sehr schwer für ihn, da es keinen Heimaturlaub gab. Nach dem Theologiestudium und der ewigen Profess wurde er als Diakon (Weihe 1984) und Priester(1985) in Augsburg eingesetzt. Schon damals wollte Sepp Wasensteiner in die Mission. –Und da sein Bruder schon in Südamerika war, bekam er manches mit, die Sehnsucht stieg, als Missionar wirken zu dürfen. Die Gemeindemitglieder (und somit auch ich) bekamen die von seinen Erzählungen mit.  Seit 1991 ist er nun in Brasilien. Auf Facebook kann ich immer wieder mitbekommen, wie glücklich er dort ist, dass er seine Berufung dort leben kann.
Doch Berufung (auch die eigene) heißt für Sepp Wasensteiner noch mehr. Er schreibt dazu:
„Wir alle als Christen haben eine gemeinsame Berufung: Christi Werk der Liebe Gottes weiterzuführen. Alle anderen “Berufungen” sind nur Ausfaltungen und Konkretisierungen dieser einen Berufung. Keine Berufung ist dann mehr oder eine andere weniger, keine “besser” oder eine andere “schlechter”. Wenn wir lieben, das ist unsere tiefste und schönste Berufung, wenn wir unser Leben geben wie Christus (darum feiern wir Eucharistie, damit wir immer mehr von dieser Liebe trinken und uns trauen, zu lieben), dann gehen wir immer mehr auf gleiche Wellenlänge mit Gott, dann schlägt unser Herz immer mehr im gleichen Rhythmus mit dem Herzen Gottes, und dann gewinnt unser Leben immer mehr Sinn. Wir sensibilisieren uns mit jeder Form des Lebens, leiden mit dem getretenen Leben und freuen uns mit dem aufblühenden Leben. Genau das ist Leben! Das ist unser Leben, das ist Leben in Fülle! Das macht den Unterschied! Die Freude und Erfüllung des Lebens ist Geschenk Gottes, wenn wir im gleichen Pulsschlag mit ihm leben.
Während viele “Leben” im immer mehr “Haben” suchen, in Festen, in einem wohlsituierten Leben, leben wir an der Peripherie, in Einfachheit, ja Armut, unter Entbehrungen, …… und sind glücklich.
Berufung heißt für mich gerufen zu sein zu einem verwirklichten Leben im Einklang mit Christus unter den Armen, in Gemeinschaft mit den Einfachen, in der Freude des miteinander Teilens.
Wo wir uns wagen, wo wir im guten Sinn “aussteigen”, um das Leben zu leben, werden wir uns selbst und unser Glück finden. Das ist doch der Sinn unseres Lebens. Das Leben ist zu wertvoll, um es zu verschleudern, oder um nur gelebt zu werden.“
Mehr über seine Arbeit als Missionar, ist hier zu lesen.


Wer dieses Zeugnis liest möge für alle Missionare beten.

Dienstag, 15. Oktober 2019

Als evangelische Christin den Ruf in ein katholisches Kloster gespürt

Schwester Bernadette
© Benediktinnerinnen von der ewigen Anbetung, Osnabrück



Zunächst ein kurzer Lebenslauf von mir:
Ich wurde 1965 in Bremen geboren und bin dort aufgewachsen. Ich wurde evangelisch getauft und konfirmiert. Nach der Grundschule besuchte ich die Realschule und danach die zweijährige Höhere Handelsschule. Im Anschluss absolvierte ich eine zweieinhalbjährige Ausbildung als Bankkauffrau, wurde anschließend ins Angestelltenverhältnis übernommen, arbeitete für ungefähr weitere zweieinhalb Jahre dort. Dann trat ich hier ins Kloster ein. Das war 1990 als ich 24 Jahre alt war. Heute bin ich 54 und in der Hauptaufgabe Kantorin, das heißt, ich bin für den Gesang zuständig, außerdem verziere ich Kerzen, erfülle ein paar Aufgaben im Haushalt, kümmere mich um die Bibliothek, bin Ordensdatenschutzbeauftragte unserer Gemeinschaft, auch Tischleserin und habe noch andere kleine Aufgaben bei uns im Kloster. 2015 schloss ich den Grundkurs des Würzburger Theologischen Fernkurses ab, weil ich mich sehr für Theologie und Spiritualität interessiere.  Ich darf sagen, dass ich ein wirklich erfülltes Leben führe, mit dem ich sehr zufrieden bin.

Hintergründe:
Ich habe schon als Kind gern gesungen, und wurde von meinen Eltern darin gefördert, sang jahrelang: Zunächst im Kinderkirchenchor meiner evangelischen Gemeinde, dann im Jugendchor, schließlich in der Kantorei, noch später im katholischen Kirchenchor. Es war mir wichtig, dass es dabei um christliche Inhalte ging und ich sang in glühender Glaubensüberzeugung.
Als Jugendliche geriet ich in innere Konflikte, die mich psychisch sehr mitnahmen. Das brachte mich aber auf den Weg, Fragen an das Leben zu stellen, auch an Gott, ich las oft in der Bibel.   Genauso setzte ich mich mit gesellschaftskritischen und politischen Fragen auseinander. Ich war voller Offenheit und hielt Ausschau, ohne genau zu wissen, wonach. Beruflich schien es mir nur logisch, ebenso wie meine Eltern einen kaufmännischen Beruf zu ergreifen. Die Materie war auch sehr interessant. Aber schon während der Ausbildung merkte ich, dass mir etwas fehlte. Ich spürte, dass mich mein Beruf nicht ausfüllen würde. Außerdem hatte ich einige geistliche Erlebnisse, bis ganz plötzlich der Gedanke in mir auftauchte, in ein Kloster einzutreten in einem Schlüsselerlebnis: Ich hatte gerade Feierabend, und wollte mit dem Bus von der Arbeit nachhause fahren. Ich setzte mich wie oft ziemlich deprimiert in den Bus und genau in diesem Moment, kam mir ein schlichter Gedanke. Er lautete: „Du gehst in ein katholisches, kontemplatives Kloster!“  Und dies, obwohl ich doch evangelisch war! Meine erste Reaktion war Erstaunen: Wo kommt denn das jetzt her? Alles, was ich vom Ordensleben wusste, war eine Erinnerung an ein Bild in einem Geschichtsbuch der 5. Klasse: Dort sah man zwei Mönche abgebildet, die Holz hackten und darunter stand „Ora et labora“.  Mönche sind also Menschen, die Holz hacken und beten. Das war alles, was ich noch erinnerte. Und nun dieser Gedanke. Aber da war noch mehr:  Ein starkes Gefühl: Es war ganz stark, stabil und verheißungsvoll, ich fühlte mich plötzlich so froh und voller Frieden.
Ich erzählte  niemandem davon, sondern begann, mich erst einmal zu informieren, da ich ja überhaupt keine Ahnung in diesem Bereich hatte. Ich kaufte mir in der theologischen Buchhandlung viele Bücher, lernte dabei kurioserweise erst so richtig meinen evangelischen Glauben kennen, in dem ich nach den Unterschieden der Konfessionen fragte, und erfuhr vieles über katholische Gottesdienste, Spiritualität, Heilige und auch Klöster. Eines Tages war im Fenster der Buchhandlung, ein Plakat, das eine Lourdes-Wallfahrt bekannt machte. Ich wusste wenig über diesen Wallfahrtsort, machte mich aber schnell kundig und fuhr eine Woche dorthin. Ich war überwältigt: Zum ersten Mal sah ich katholische Ordenschristen, lernte Rosenkranzbeten und erfuhr auch von den anderen Pilgern noch mehr Details über das katholische Glaubensleben. Schon beim Lesen des katholischen Katechismus hatte ich festgestellt, dass mein persönlicher Glaube eigentlich mehr katholisch als evangelisch ist, ohne es früher wahrgenommen zu haben. In dieser Zeit begann ich auch regelmäßig an katholischen Eucharistiefeiern teilzunehmen, ohne jedoch zur Kommunion zu gehen, obwohl es mir schwerfiel, es nicht zu tun. Ich fuhr noch viermal nach Lourdes, um meine Berufung zum Klosterleben zu prüfen. Die Antwort, die ich im Herzen vernahm, war stark: ich war mir ganz sicher, dass es richtig war, diesen Weg einzuschlagen. Außerdem war mir jetzt klar, dass mein Herz katholisch schlägt und ich auf jeden Fall konvertieren wollte. So nahm ich in Bremen Kontakt mit dem katholischen Pfarrer auf, und konnte am Konvertitenunterricht teilnehmen. Meine Eltern waren davon nicht begeistert, aber sie duldeten es wohlwollend. Nun stellte sich mir noch die Frage, in welches Kloster ich eintreten sollte. Ich hielt in Kirchenzeitungen nach Annoncen Ausschau. Dort fand ich eines Tages einen Zweizeiler: Die Benediktinerinnen in Osnabrück boten ein Wochenende für interessierte junge Frauen an. Als ich die Anzeige sah, wusste ich: Das ist es! Das ist mein Kloster! Dann dachte ich mir: Du spinnst doch! Gleich die erste Annonce sollte es sein? Na, ja, ich rief jedenfalls an und durfte kommen. Als ich es sah, war für mich klar: Das ist es! Das ist mein Kloster! Als ich dann zu dem Wochenende in Osnabrück war, gefielen mir die Schwestern, der Tagesablauf und die Räumlichkeiten sehr .Aber dann mahnte ich mich wieder abzuwarten und noch ein paar andere Klöster anzusehen. Die Begeisterung für Osnabrück hielt auch an, als ich noch zwei andere Klöster an anderen Orten besuchte. Die gefielen mir auch, aber nur in Osnabrück hatte ich das Gefühl, dass hier der Ort ist, an dem zu leben ich berufen bin. Insgesamt vergingen von meinem ersten Berufungserlebnis bis zu meinem tatsächlichen Klostereintritt 1990 also zirka vier Jahre. Ich hatte mir bewusst Zeit für die Entscheidung genommen, um sie prüfen zu können. Ich wollte etwas so Wichtiges nicht überstürzen.
Inzwischen lebte ich nicht mehr bei meinen Eltern, sondern wohnte in einer Mietwohnung in einem anderen Stadtteil. Diese Unabhängigkeit war mir wichtig und auch ein Teil meiner Prüfung: Ich wollte nicht wegen Weltflucht und Lebensuntüchtigkeit ins Kloster, sondern aus echter Berufung. In der Bank hatte ich begonnen, Karriere zu machen und als ich kündigte, wurde das dort sehr bedauert, aber die meisten Kollegen standen meiner Entscheidung recht positiv gegenüber, oder wenigstens respektvoll. Dann war es endlich soweit: Am 29. Oktober 1989 wurde ich in die katholische Kirche aufgenommen, gefirmt und zur ersten heiligen Kommunion zugelassen. Die Feier fand im Osnabrücker Kloster statt.
Am 03. Mai 1990 trat ich dann in dieses Kloster ein. Für meine Eltern war das nicht ganz leicht, da ich Einzelkind bin. Aber sie erkannten, wie glücklich mich mein neuer Weg machte, und so konnten sie sich dann ganz gut mit meiner Entscheidung aussöhnen.

Über die Benediktinerinnen in Osnabrück kann man über deren Homepage mehr erfahren.


Wer dies Zeugnis liest, möge für alle monastischen Benediktinerinnen beten.
 



Mittwoch, 28. August 2019

Verein zur Förderung von Berufungen - Gründung

©Filip Vukina, Maria Bronnen

In den letzten Jahren hatte ich im Gebet immer mehr und mehr den Eindruck, hauptberuflich Berufungen im Internet  (auf meinem Blog) vorzustellen.
Aber: Dazu müsste ich ja auch durch ganz Deutschland, durch den ganzen deutschsprachigen Raum reisen. Und ich merke eben, dass Gott mich sofort dafür haben möchte.
 Vorgestellt werden sollen wirklich alle Berufungen innerhalb der römisch-katholischen Kirche: vom Priester, der die Einstellung hat, dass der Papst ihm gar nichts zu sagen hat, bis zur Petrusbruderschaft. Also wirklich die ganze Bandbreite.
Mein Anliegen geht aber noch weiter: Es gibt sehr viele Bewegungen, zu denen Laien gehören. Oder eben so etwas wie Oblaten, die dann dem Orden angeschlossen sind. Es sind alles Menschen, die ein ganz normales Leben führen, mitten in der Welt und doch eine Berufung leben. Auch diese möchte ich vorstellen. Und natürlich die Ordensleute. Neben den Ordensleuten dann aber auch die einzelnen Ordenshäuser, die Gästehäuser, in denen man mitleben kann.
Mir liegt daran, möglichst viele verschiedene Ordenshäuser und Orden vorzustellen. 

Viele Menschen, die eine Berufung haben, gehen nach Frankreich, Italien oder in die USA. Dabei kennen sie die ganzen Ordensgemeinschaften in Deutschland gar nicht. Alleine um die verschiedenen franziskanischen Frauenorden jede Woche vorzustellen, bräuchte es ein ganzes Jahr. Und am liebsten würde ich bei den kleinen Gemeinschaften anfangen, bei denen der Nachwuchs leider fehlt. Und bei den Gemeinschaften, die   noch die Anbetung haben. Weiterhin gibt es innerhalb einer Bewegung oft verschiedene  Gemeinschaften, so bei Schönstatt. Hier gibt es ungefähr fünf bis acht verschiedenen Gemeinschaften. Alle sollten extra angesehen werden.
Weiterhin gibt es da auch die Berufung in der Berufung: Zum Beispiel ein Pfarrer Kocher, der gleichzeitig Programmdirektor ist. Oder Pfarrer Peter Meyer, dem es wichtig ist Exerzitien zu halten. Bei manchen kommt man auch nicht darauf, dass es sich um eine Berufung  handelt: Ehefrauen von ständigen Diakonen. Zwar müssen diese der Weihe zustimmen, doch erst als mir ein ständiger Diakon erzählt hat, dass es einen Diakon in seinem Weihejahrgang gibt, dessen Frau nur darauf gewartet hat, dass dieser geweiht wird, damit sie sich scheiden lassen kann, wurde mir bewusst, dass die Frau eines Diakons auch eine Berufung ist. Dann gibt es auch die ökumenischen Gemeinschaften, in denen Katholiken mitleben.
Mit dem Gebet verbunden kam übrigens auch die Überlegung einen Verein zu gründen. Und Gott hat so seine Mittel zu zeigen, wenn ER etwas unbedingt möchte. Es müssten für die Gründung sieben Personen zusammenkommen. Ich kann mir vorstellen, dass anschließend viele Personen so einen Verein  fördern würden, spenden würden...
Neben den Berufungen würde es noch einen anderen Blog geben, der ausgebaut werden soll. Hier sollen Wallfahrtorte vorgestellt werden, Orte, wo die ewige Anbetung ist…

Und was, wenn Geld übrig bleibt? Dann ist die Überlegung, was an der Reihe ist. Ob es sich vielleicht um ein Haus handelt, in dem junge Leute ein Gebetsleben lernen können, oder Priester eine Sabbathzeit machen, oder ein katholische Altenheim... - Gott wird führen.

Die Gründungssitzung wird am

Samstag, 05.Oktober ab 15.30 Uhr
im Bernhardsheim (gegenüber vom Pfarrbüro, Bernhardstraße 10 )
79585 Steinen-Höllstein

sein.

Zwar in Deutschland, aber ungefähr 20 km von Basel entfernt. – Bitte Werbung machen.

Leider konnte ich keine Übernachtung organisieren. Daher: Wer sich innerhalb von 100 km zur Verfügung stellt bitte Bescheid geben. Es gibt einige Klöster und auch Gaststätten.
Außerdem hält ca. 1 km von dem Heim entfernt die S-Bahn (S 6 ab Basel, Badischer Bahnhof)

Auch Bescheid geben wer kommen würde.
An einer der folgenden Mail-Adressen:



Es gibt noch einen Flyer zum Auslegen, bitte bei mir anfordern

Donnerstag, 15. August 2019

Gottes Wege sind unergründlich....

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Aufgewachsen bin ich in einer gut katholischen Familie.  Es war klar, dass wir jeden Sonntag in die Heilige Messe gehen – und natürlich an den Feiertagen.  Auch als meine drei Geschwister und ich Jugendliche und junge Erwachsene waren, war für meine Eltern klar, dass wir „solange wir in ihrem Hause sind und wohnen“ in die Heilige Messe mitgehen sollen.
Da es für mich eine Selbstverständlichkeit war, bin ich eben mitgegangen. Als dann jedoch eine Gemeindemission war, war mir dies zu viel. Da wollte ich nicht mithingehen. Meine jüngere Schwester nahm mich dann in den nächsten Tagen mit, denn ich wir konnten eine  Jugendmesse mit vorbereiten und uns beteiligen. – So lernte ich auch die Schwestern der Gemeinschaft kennen, bei denen ich später eintrat. Hier machte ich mich ca. 15 Jahren die ersten Besinnungstage, die ein Priester hielt, der zu der Gemeinschaft gehörte, die meine Heimatgemeinde betreuten. Wieder war es meine jüngere Schwester, die mich mitnahm, denn sie wollte nicht alleine dorthin gehen. So schloss ich mich an. Es wurden noch mehrere Besinnungstag die ich mitmachte.

Mit ungefähr 19/20 Jahren spürte ich die Berufung zu engeren, ehelosen Nachfolge. – Ich wehrte mich dagegen. Doch irgendwann ließ ich mich darauf ein. Nur: Wie sollte dies gehen? Da ich nur eine Ordensgemeinschaft kannte, sprach ich die Schwestern an. Sie nahmen mich in den folgenden Jahren öfters mit zu Lobpreisabenden, ich machte auch Kloster auf Zeit.
Da ich ehrenamtlich in der Pfarrgemeinde eingebunden war, begann ich an einer Fachakademie für Gemeindepastoral dann irgendwann das Studium zur Gemeindereferentin.  Zu diesem Studium gehörten jährliche Besinnungstage. Und für uns Studierenden war es verpflichtend einmal in der Woche in die Heilige Messe zu gehen und einmal in der Woche ein gemeinsames Morgengebet zu halten. Diese machte ich auch mit. Aber sonst? 
Zu der Zeit machte ich Exerzitien bei dem Priester, der auch die  Besinnungstage gehalten hatte. Daher wusste ich, dass man mit ihm reden kann, er Spaß versteht und es bestimmt locker wird. Wie täuschte ich mich. Als er hörte, dass ich während des Studiums nur bei den „Pflichtveranstaltungen“ für das geistliche Leben mitmache wurde er richtig streng.  Wie ich denn einen kirchlichen Beruf ergreifen könne, ohne das geistliche Leben auch täglich zu pflegen. – So ähnlich war das, was er mir mitgab, aber so, dass es saß. – Ich ging danach täglich in die Heilige Messe, fing an täglich das Stundengebet zu beten. Beides  ist bis heute für mich wichtig.
Anschließend trat ich bei den Schwestern ein, bei denen ich mich sehr wohl fühlte.
Doch es gab so einiges, was ich nicht gut fand. Schon während des Noviziates sagte ich: „Es müsste ein neuer Franziskus her.“ Im Kloster hatte ich nämlich alles was ich brauchte, ich konnte mich gut einrichten. Es fiel mir einiges mehr auf. Mir war klar, dass es eben kein christliches Reiki gibt, ich hätte gerne kontemplativer und ärmer gelebt, zugleich das Stundengebet ausführlicher gebetet… Aber ich fühlte mich unter meinen Mitschwestern wohl, merkte aber auch: Diese Gemeinschaft ist eigentlich nicht meine Berufung. Doch es dauerte noch lange, bis ich loslassen konnte, es gab einen Kampf, mit einer Sabbatzeit. Hier wurde mir die tägliche Anbetung immer wichtiger. Erst als es auf die ewige Profess zuging konnte ich ehrlich sein und verließ schweren Herzens die Gemeinschaft.
In der weiteren Zeit führte mich Gott mehr und mehr. Ich arbeitete als Pfarrhaushälterin bei einem Priester, der nicht an Wunder glaubte, dem es nicht Recht war, wenn ich täglich in die Heilige Messe ging. So spürte ich immer mehr und mehr meine Berufung für Priester zu beten.
Ich versuchte in eine andere Gemeinschaft einzutreten im Ausland. Für die Gemeinschaft stand fest, dass ich berufen bin. – Aber ich wurde mit dem Satz zurückgeschickt: „Gott will dich in Deutschland haben“ – Damit konnte ich damals gar nichts anfangen. Ich empfand es als verletzend. Doch wo wollte mich Gott haben? Im Kloster? Mitten in der Welt? In einer anerkannten Form des geweihten Lebens? So nach und nach lernte ich immer mehr auf Gott zu hören, hatte immer wieder sehr gute geistliche Begleiter. Zwar gibt es immer wieder Kämpfe, auf und Nieder. Aber das gehört dazu. Wichtig ist immer wieder neu zu wissen, dass ich zu Jesus Christus gehöre, dass ER mein Geliebter ist.
Ich fühle mich als Christi Braut, mitten in der Welt, als geistliche Priestermutter. Und mir sind die Weltnachrichten wichtig, die ich mit ins Gebet nehme. Ich lebe fast eremitenhaft, merke aber gleichzeitig meinen Auftrag, mehr für den Glauben und Berufungen zu tun. Ich lasse mich führen und bin gespannt, was Gott noch für mich vorhat.

Wer dieses Zeugnis liest, möge für alle Laien mitten in der Welt beten, die versuchen Gottes Ruf zu leben.

Von der Atheistin zur überzeugten Katholikin

© Claudia Sperlich I ch bin 1962 in Berlin geboren. Erzogen wurde ich in einem religionsfernen, wenn auch vom Christentum selbstve...